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Im vorherigen Kapitel wurden das Verlagsprodukt Buch und dessen elektronische Varianten klassifiziert. Alle diese Verlagserzeugnisse können über das Internet verkauft werden, und dazu wird ein Online-Shop verwendet. Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Konzepte für solche Shops und konkretisiert insbesondere das momentane Hauptproblem den Zahlungsvorgang.
Online-Shops können sehr vielfältig sein, je nach Größe des Shops, Art und Anzahl der zu verkaufenden Produkte und der angepeilten Zielgruppe. Beim Aufbau eines Shops muß sich ein zukünftiger Shop-Betreiber zwischen zwei technischen und organisatorischen Optionen entscheiden:
Zunächst kann ein Verlag in Eigenregie einen Internet-Shop anbieten. Die verlagseigene Web-Site umfaßt also neben der Informationsvermittlung rund um den Verlag und dessen Produkte auch einen Shop, in dem Kunden diese bestellen können. Nötig ist der Einsatz einer speziellen Shopping-Software, die den Kunden einen bequemen Einkauf und dem Anbieter eine effiziente Pflege des Shops ermöglichen soll.
Der Verlag benötigt Fachkompetenzen im Web-Design sowie der Shop-Programmierung. Diese können entweder extern durch Dienstleister oder durch interne Ressourcen bereitgestellt werden. Während Ressourcen zum Web-Design relativ wahrscheinlich intern verfügbar sind, ist eine interne Bereitstellung von Ressourcen zur Shop-Programmierung in den meisten Fällen problematisch, denn diese erfordert ein hohes Maß an Spezialwissen.
Handelt es sich bei den vertriebenen Verlagsprodukten um gedruckte Bücher, die per Versand an die Besteller verschickt werden, benötigt der Verlag eine leistungsfähige Versandauslieferung. Der Verlag kann den Versand selbst übernehmen, wenn er dazu in der Lage ist. Vertreibt der Verlag seine Produkte auch über die traditionellen Vertriebswege, z.B. im stationären Buchhandel, ist an dieser Stelle eine Zusammenarbeit mit einer Versandbuchhandlung empfehlenswert, damit sich existierende Mittler nicht übergangen fühlen und ihrerseits die bestehenden traditionellen Vertriebswege blockieren. Allerdings können dann Kostensenkungspotentiale, wie die durch Direktvertrieb eingesparten Handelsrabatte nicht genutzt werden. Vorteilhaft an diesem Weg ist weiterhin, daß meist die EC-Technologie der Versandbuchhandlung in den Verlagsshop integriert werden kann.
Gut geeignet ist der eigene Shop, wenn es sich bei den zu vertreibenden Verlagsprodukten um Bücher in elektronischer Form handelt, da hier kein physischer Versand erfolgt und somit auch kein Engpaß an dieser Stelle entstehen kann. Der Versand erfolgt als Daten über das Internet. Die Organisation der Auftragsabwicklung und der Bezahlung erfordert bei dieser Form des Publizierens und des Vertriebs allerdings besondere technische Kompetenzen. In den meisten Fällen wird standardisierte Shop-Software die speziellen Anforderungen nicht erfüllen, und es ist die Entwicklung einer individuellen Softwarelösung nötig.
Ein Einzelshop kann nicht von positiven Effekten benachbarter Shops profitieren, die Steigerung des Bekanntheitsgrades ist das schwierigste Problem, mit dem Einzelshops konfrontiert werden. Kunden müssen explizit zur Homepage des jeweiligen Verlages wollen.
Als zweite Möglichkeit wählt ein Kunde ein Online-Shop-Komplettpaket zur Miete. Üblicherweise wird der Betrieb des Shops einem Internet-Service-Provider übertragen, der mehrere Shops gleichzeitig im Kundenauftrag betreibt. Vergleichbar mit großen Einkaufszentren, in denen Läden von einzelnen Betreibern gemietet werden, die dann die bereits bestehende Infrastruktur nutzen, wird diese Art von Angebot als "Shopping-Mall-Konzept" bezeichnet [Wasmeier].
Beim Eintritt in die Shopping-Mall können die Kunden zwischen den einzelnen Shops wählen und diejenigen betreten, die sie interessieren. Die Shops profitieren untereinander vom Publikumsverkehr der gesamten Shopping-Mall. Genauso wichtig wie in realen Einkaufspassagen ist bei virtuellen Malls der richtige Branchenmix der Anbieter.
Alle Shops basieren auf der gleichen Software, und die Benutzerführung sollte sich bis auf graphische Unterschiede kaum zwischen den einzelnen Shops unterscheiden. Je nach Service-Provider können die Shop-Betreiber wählen zwischen einer zentralen oder einer dezentralen Abwicklung der Geschäftsvorgänge.
Bei einer zentralen Verwaltung wird die gesamte Datenhaltung nicht für jeden Shop einzeln, sondern über die gesamte Mall abgewickelt. Dies hat u.a. den Vorteil, daß Kunden ihre persönlichen Daten nicht in jedem Shop neu angeben müssen, sondern nur einmal. Der Service-Provider kann innerhalb dieses Systems auch die Lagerung, Auslieferung und Fakturierung der Ware übernehmen und zentralisieren.
Werden die Shops dezentral organisiert, ist jeder Shop autark und wickelt die Warenauslieferung und Fakturierung in Eigenregie ab. Es handelt sich dann um einen Einzelshop unter dem "Dach" einer Shopping-Mall.
Für Verlage, die Bücher in elektronischer Form anbieten, sind die Anforderungen an die Shop-Software in den meisten Fällen zu speziell, um auf die Komplettlösung des Shopping-Mall-Anbieters zurückgreifen zu können.
Verlage, die ihr Angebot bereits auf konventionelle Weise vertreiben, können einen Einzelshop nutzen oder auf ein Mall-Angebot zurückgreifen. Problematisch kann hierbei die Integration des Online-Shops in die bestehende Betriebstätigkeit sein. Für einen möglichst zügigen Online-Einstieg bietet sich die Möglichkeit, den Internet-Vertrieb vorübergehend als "Shop in the Shop" zu betreiben. Dies bedeutet, daß der Shop als autarkes Tochterunternehmen des Verlages behandelt wird und manuell mit diesem abrechnet. Erweist sich der Schritt ins Internet als lukrativ, läßt sich die Anbindung des Internet-Shops schrittweise automatisieren. Auf diese Weise kann der Verlag zügig beginnen, die Möglichkeiten von EC zu nutzen.
Für den Einstieg ist mit relativ einfachen Mitteln eine Bestellmöglichkeit realisierbar, die von den Kunden vergleichbar unkomfortabel empfunden wird und nur für ein kleines Produktprogramm ausreichend ist. Da diese Lösung ohne Datenbankunterstützung arbeitet und direkt auf HTML-Seiten basiert, wird sie im Folgenden als "Statische Bestellmöglichkeit" bezeichnet.
Um den Kunden einen möglichst komfortablen und unkomplizierten Online-Einkauf zu ermöglichen, ist vom Anbieter ein hoher technischer und konzeptioneller Aufwand zu leisten. Hierfür wird ein datenbankbasiertes Shopping-System benötigt.
Im Katalog der Titel sucht sich der Kunde die Titel aus, die er bestellen möchte. Diese müssen dann auf der Bestellseite ausgewählt werden. Dazu wird meist ein eMail-Formular angeboten, in das auch gleich die Bestelladresse und eventuell weitere Informationen eingegeben werden (Abbildung 4.1).
Abbildung 4.1: Die einfachste aller
Online-Bestellmöglichkeiten
das statische eMail-Formular. (Quelle: Schacks
Miniaturbuch)
Aus dem Formular wird automatisch per Software eine eMail erzeugt und diese an eine vorher festgelegte Adresse geschickt. Hat das Büro, das den Versand übernimmt keinen eMail-Zugang, kann aus der eMail auch ein Fax erzeugt werden. Beide Funktionalitäten erfordern nur wenig Spezialwissen beim Anbieter bzw. dessen Netzadministrator und kein spezielles Nutzerwissen, sie sind damit unproblematisch implementierbar.
Wichtig ist, daß dem Besteller der Eingang seiner Bestellung bestätigt wird, am besten mit einer standardisierten Antwortmail, in der die Bestelldaten aufgeführt und auch Aussagen zur Auslieferung gemacht werden.
Diese Vorgehensweise ist recht simpel und kann auch von kleinen Verlagen erfolgreich angewandt werden. Wenn der Verlag mehr als 30 Titel im Programm hat, wird das Formular jedoch schnell unübersichtlich, so daß alsbald auf ein Shopping-System ausgewichen werden sollte. Auch ist es mit diesem einfachen System kaum möglich, elektronische Zahlungssysteme abzufragen.
Dieses System ist als Startpunkt zu begreifen, um einen schnellen Einstieg in die Online-Welt zu finden. Der Automatisierungsgrad ist gering und nicht für einen größeren Kundenansturm ausreichend. Insbesondere Kleinverlage, deren Verlagsprogramm nur wenige Titel umfaßt, können ihren Kunden diese einfache Bestellmöglichkeit bieten.
Weitaus aufwendiger als die statische Bestellmöglichkeit ist die Implementation eines Shopping-Systems. Im Folgenden wird näher auf die einzelnen Bestandteile dieser Lösung eingegangen.
Der eigentliche Shopping-Vorgang beginnt mit dem Eintritt des Kunden in den Laden und endet mit dem Abschluß eines Kaufvertrages. Hierauf folgt die Übergabe der Ware und die Bezahlung.
Im Eingangsbereich des Ladens (Store Front) stellt sich das Geschäft dem Kunden vor und erlaubt der Stammkundschaft, sich per Login zu identifizieren. Neue Kunden sollten weiterhin anonym bleiben können, um nicht gleich am Anfang eine Hemmschwelle aufzubauen. Erfolgreich funktioniert oft die Methode, ein sogenanntes Incentive-Angebot zu unterbreiten, z.B. einen Rabatt auf den ersten Einkauf [Wasmeier]. Der Eingangsbereich ist der am meisten zu aktualisierende Teil, denn es ist wichtig, Aktivität zu zeigen. Hier ist auch Raum, um auf Sonderangebote hinzuweisen und allgemeine Informationen zu geben, z.B. zur Akzeptanz verschiedener Zahlungssysteme.
Bei Stammkunden liegen schon detaillierte Kundeninformationen vor, und es können dann z.B. spezifische Sonderangebote unterbreitet werden.
Der Shop bietet gewöhnlich mehrere Produktkataloge an, bei Büchern z.B. "Belletristik, Sachbuch, Fachbuch". Der Kunde hat nun Gelegenheit, im Laden, also in den verschiedenen Produktkatalogen, herumzustöbern. Gegebenenfalls wird er von der Shopping-Software dabei beobachtet.
Die Kataloge sind meist hierarchisch aufgebaut. Alternativ sollte auch eine Suche nach Stichworten möglich sein. Bei Büchern ergeben sich die Suchkriterien Schlagwort, Autor, Titel, Verlag, ISBN. Auch beschreibende Eingrenzungen sollten möglich sein, wie Erscheinungszeiträume etc. Rund um gefundene Produkte ist es sinnvoll, weitergehende Informationen anzubieten, um die Produktwahl zu erleichtern, z.B. Rezensionen oder Meinungen anderer.
Auf weitere Variationen bei komplexen Produkten, die z.B. umfangreiche Ausstattungsvarianten ermöglichen, wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen, da dies für Bücher irrelevant ist.
In Anlehnung an den realen Einkauf, legt der Kunde das ausgewählte Produkt in einen virtuellen Einkaufswagen (Warenkorb). Dieser berechnet im Gegensatz zur Wirklichkeit jedesmal eine Zwischensumme, wenn ein Produkt in den Warenkorb gelegt oder aus diesem entnommen wird. Der Kunde ist also jederzeit über den Umfang seines Einkaufs informiert.
Hat der Kunde seine Produktauswahl abgeschlossen und sich zur Bestellung entschlossen, wird die sogenannte "Transaktionsphase" eingeleitet.
Spätestens an dieser Stelle muß der Kunde seine Anonymität aufgeben und persönliche Daten eingeben. Handelt es sich um einen Stammkunden, der sich per Login zu erkennen gegeben hat, wird automatisch dessen bereits gespeicherte Lieferadresse vorgeschlagen.
Die Transaktionsphase gliedert sich in die Bestandteile Zahlungsmittel verifizieren, Auslieferung veranlassen, Lagerbestand abbuchen, Rechnungsbetrag einziehen. Alle diese Schritte müssen erfolgreich ablaufen. Schlägt ein einziger fehl, wird der gesamte Transaktionsvorgang rückgängig gemacht, um Inkonsistenzen in der Datenbank zu vermeiden. Ergebnis ist ein abgeschlossener Auftrag oder die Auftragsstornierung.
Dank EC-Technologie sind bei der Online-Distribution von Verlagsobjekten vielfältige Abrechnungsmodalitäten denk- und umsetzbar. Im Folgenden soll eine Auswahl bereits realisierter Systeme dargestellt werden.
Der Verlag Boson Books bietet seine Publikationen ausschließlich im WWW an, und dessen Mechanismus wird beispielhaft für einen üblichen WWW-Bestellvorgang dargestellt. Handelsobjekt ist ein Buch in elektronischer Form.
Abbildung 4.2: Homepage des Online-Verlages
Boson Books mit einem
etwas zynischen Werbeslogan. (Quelle: Boson Books)
Nachdem man sich im Online-Shop einen Titel ausgesucht hat, kann man das Buch als PDF-Datei herunterladen. Die PDF-Datei enthält das Buch inklusive Layoutdaten und der sonstigen in Kapitel 3.3 beschriebenen Funktionalitäten eines Buches in elektronischer Form. (Abbildung 4.3).
Abbildung 4.3: Laden des Buches auf den lokalen Computer. (Quelle: Boson Books)
Die PDF-Datei ist durch Verschlüsselung vor unlizensierter Benutzung geschützt. Die Datei kann mit dem Programm zum Anzeigen des Buches, dem Acrobat-Reader, erst geöffnet werden, wenn der Benutzer das richtige Paßwort eingibt. Dieses bekommt er von der Firma Softlock, die für den Verlag die Freischaltprozedur organisiert. Dort muß nach Eingabe der Produktnummer, neben persönlichen Informationen (Abbildung 4.4) schließlich die Kreditkartennummer des Kunden eingegeben werden.
Abbildung 4.4: Eingabe der Produktnummer
(oben), der persönlichen Daten (unten)
und der Kreditkarteninformationen. (Quelle: Boson
Books / Softlock)
Anschließend erhält der Kunde eine eMail, die das Paßwort für das Buch in elektronischer Form enthält (Abbildung 4.5).
Abbildung 4.5: Eingabe des Paßwortes beim Öffnen der Datei.
Aus Sicht des Urhebers ist dieses System nur bedingt tauglich. Besitzt ein Kunde das Paßwort zu einem solchen Buch in digitaler Form, kann er das Buch beliebig kopieren und weitergeben. Da das Laden des Buches auf den lokalen Computer keinen Restriktionen unterliegt, sondern erst die Vergabe des Paßwortes mit einem Zahlungsvorgang verbunden ist, wird die Verbreitung der Titel unkontrollierbar. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es Web-Sites gibt, die Paßwörter für solche Bücher anbieten. Jeder, der sich bei dem Verlag eine Kopie des Titels besorgt hat, kann dann das Buch lesen, ohne es zu bezahlen.
Der Addison Wesley Longman Verlag bietet aktuelle Titel auch in digitaler Form zum Verkauf an. Die Bücher werden ohne inhaltliche Änderung in einem elektronischen Format geliefert. Verwendet wird HTML und PDF. Bei HTML geht das Layout verloren, bei PDF bleibt es erhalten, so daß die Kunden das Buch in Form eines Loseblattwerkes im Originallayout ausdrucken können.
Abbildung 4.6: Viele Titel können beim Addison Wesley Longman Verlag in digitaler Form gekauft und per käuferseitigem POD als Loseblattwerk ausgedruckt werden. (Quelle: [AWLtraining])
Der Verlag ermöglicht es, auch nur einzelne Kapitel zu kaufen. AWL bietet zwei Abrechnungsmodi an, jeweils eine Gebühr pro Ausdruck oder einen Seitenpreis. Das Angebot ist auf Firmenanwender ausgelegt, und es werden hohe Mindestabnahmemengen gefordert.
Problematisch an diesem System ist die schwierige Nachprüfbarkeit. Die Daten werden unverschlüsselt übertragen. Letztendlich unterliegt diese Form des Publizierens den Gesetzen der Softwaredistribution. Man erwirbt lediglich die Lizenz für eine bestimmte Zahl an Ausdrucken bzw. eine bestimmte Zahl an beliebig kopierbaren Seiten.
Hierbei wird ein Teil des Buches online frei verfügbar gemacht, in der Hoffnung, die Leser finden die Geschichte interessant genug, um den Rest zu bezahlen.
Abbildung 4.7: Ein Teil der Geschichte wird kostenlos zum Lesen
bereitgestellt,
alles weitere muß bezahlt werden. (Quelle: tale.com)
Der Online-Verlag Boson Books bietet einige Bücher in Fortsetzungen an. Die Kapitel werden nacheinander, z.B. monatlich publiziert, bis das Buch komplett ist (dann wird es auch als Buch veröffentlicht). Jedes einzelne Kapitel ist nur bis zum Erscheinen des nächsten kostenfrei. Auf diese Weise werden die Leser u.a. auch dazu angehalten, öfter auf der Web-Site des Verlages vorbeizuschauen.
Abbildung 4.8: Lesen eines Buches im Zweimonatsrhythmus: Boson Books
publiziert
manche Bücher kapitelweise. (Quelle: Boson Books,
[CMserials])
Die beschriebenen Publikationsverfahren funktionieren entweder ohne Verschlüsselung und machen die Dokumente damit frei kopierbar oder eine Verschlüsselung funktioniert per Paßwort. Wird das Dokument mit diesem freigeschaltet, kann jeder, der eine Kopie und das Paßwort hat, dieses Dokument lesen.
Die Kompetenz eines Verlages ist jedoch die Verteilung der Information. Die Kontrolle über diese Verteilung ist äußerst wichtig. Es werden also Technologien benötigt, die Verteilung der digitalisierten Information möglichst lückenlos und präzise zu kontrollieren und diesen Vorgang für die Kunden so einfach wie möglich zu gestalten.
Die Firmen Wave Systems und Infosafe sind die wichtigsten Anbieter der im Folgenden dargestellten Abrechnungssysteme. Deren Produkte, sogenannte "Metering-Devices" sind Zusatzgeräte, die an den Computer angeschlossen werden und anschließend den gesamten Informationsfluß, der über den lokalen Internet-Anschluß abgewickelt wird, überwachen.
Das Konzept der Technologie des Data-Metering ist einfach: Anstatt für ein publiziertes Werk einmalig einen Verkaufspreis zu berechnen, wird nach dem tatsächlich genutzten Inhalt abgerechnet. Interessiert sich ein Kunde beispielsweise lediglich für eine bestimmte Statistik aus einem Nachschlagewerk, braucht er auch nur für die entsprechenden übertragenen Daten bezahlen.
Das "Metering-Device" wird mittels eines der in Kapitel 4.3 beschriebenen Zahlungssysteme aufgeladen, und anschließend kann der geladene Betrag anonym bei kostenpflichtigen Anbietern ausgegeben werden.
Sind Verlagsprodukte an diese Geräte angepaßt, kann z.B. jede Kopie eines elektronischen Dokumentes bei ihrem ersten Aufruf einen Zahlungsvorgang einleiten. Ebenso ließe sich diese Zahlungsfunktion einleiten beim Drucken des Dokumentes. Gepaart mit starker Verschlüsselung des Dokumentes selbst wäre eine Lösung der in Kapitel 5.2 beschriebenen Copyrightproblematik in Sicht, sofern die Ankündigungen der Hersteller realisierbar sind.
Die Idee des Data-Meterings existiert schon seit über 10 Jahren und wurde ursprünglich von einem japanischen Professor namens Ryoichi Mori [Dyson] entwickelt. Doch erst in letzter Zeit ist die benötigte Technologie bezahlbar und sicher genug geworden, um eine praktikable Anwendung zu ermöglichen.
Trotzdem sind viele Fragen zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Diplomarbeit ungelöst, beispielsweise Sicherheitsfragen, die schützenswerte Interessen der Kunden betreffen. Wenn alle Daten, die durch den persönlichen Internet-Zugang fließen, durch einen Chip kontrolliert werden, öffnet dies vielfältige und vom Kunden in den meisten Fällen unerwünschte Überwachungsmöglichkeiten.
Desweiteren ist nicht klar, wie sicher das System gegen Versuche ist, die Zahlungsvorgänge zu umgehen. Hier argumentieren die Hersteller, daß eine hundertprozentige Sicherheitsgarantie nicht gegeben werden kann, es müsse nur dem einzelnen hinreichend schwer gemacht werden, die Verschlüsselung zu knacken.
Sollten sich die großen PC-Hersteller dazu entschließen, einen Data-Metering-Chip in alle neuen PCs einzubauen, würde dieses System auch im Anbieter-Konsumenten-Geschäft ein großer Erfolg werden. Derzeit zeichnet sich jedoch eher eine Anwendung im Geschäftskundenbereich ab, z.B. um große Datenbanken professionell zu nutzen.
Da das System auch Offline-Medien unterstützt, ist bei Infosafe eine Anwendung im Angebot, die eine große Anzahl CD-ROMs (43 Stück) mit Bildern usw. in verschlüsselter Form den Kunden bereitstellt. Diese verwenden und bezahlen die Daten dann je nach Auswahl.
Dies bedeutet, daß dem Kunden verschiedene Benutzerrechte ("User-Right") an einem elektronischen Dokument eingeräumt und diese ständig überprüft werden ("Tracking"). Notwendig ist ebenfalls ein externes Zusatzgerät, bzw. ein zusätzlicher Chip, der in den Computer eingebaut wird genannt Copyright-Box.
Technisch basierend auf den oben beschriebenen Data-Metering-Systemen, werden einem Kunden bestimmte Benutzerrechte eingeräumt oder nicht, bzw. wird das Ausüben der jeweiligen Rechte mit verschiedenen Preisen abgerechnet. Diese Informationen werden dem verschlüsselt gespeicherten Dokument beigefügt. Beispielsweise könnte ein Dokument, welches sich ein Kunde gerade (kostenlos) aus dem Internet geladen hat, beim Lesen auf dem Bildschirm DM 5,- kosten, während das Drucken einen Preis von DM 10,- hätte. Das Kopieren des Dokumentes kann erlaubt sein oder nicht, bzw. würde zwar eine Kopie angelegt, das Ausgangsdokument aber gelöscht.
Diese Benutzerrechte können auch geschachtelt und kombiniert werden, beispielsweise, wenn an einem Buch mehrere Autoren mitgewirkt haben. Jeder einzelne der Autoren bekäme die ihm zustehenden Entgelte. Diese Technologie wird derzeit (September 1998) am Xerox PARC entwickelt.
Im Verlagsbereich sind auf eine besondere Weise spezialisierte Verschlüsselungsverfahren möglich, z.B. "Brain-Shield" von der Firma Secodata [Steck]. Dieses System ist vollkommen softwarebasiert, erfordert also kein Zusatzgerät. Benötigt wird ein javafähiger Webbrowser, denn die Software auf der Seite des Kunden ist in Java geschrieben.
Normalerweise arbeiten Verschlüsselungssysteme mit einer mehr oder weniger aufwendigen mathematischen Kodierung. Öffnet man das Dokument, ist es nicht mehr als Text erkennbar, sondern besteht aus einer scheinbar zufälligen Ansammlung von Zeichen. Brain-Shield verschlüsselt einen Text nicht mittels mathematischer Formeln, denn jedes mathematische Verschlüsselungssystem ist mit hinreichendem Aufwand entschlüsselbar [Steck].
Brain-Shield nutzt für den Schutz eines Textes die Tatsache, daß nicht die einzelnen Buchstaben die Aussage eines Textes tragen, sondern erst die Reihenfolgen von Worten, Sätzen, Absätzen und Kapiteln den Sinn und den Kontext eines Buches herstellen. Wird diese Reihenfolge zerstört, geht der Sinn verloren, ohne daß ein Hinweis auf die richtige Reihenfolge im Text verbleibt. Die Worte selbst bleiben lesbar. Ergebnis ist ein Dokument mit den Worten in scheinbar zufälliger Zusammenstellung. In diesem ist z.B. eine Volltextsuche weiterhin anwendbar.
Der Hersteller von Brain-Shield behauptet, daß es unmöglich sei, den Kontext ohne die Rekonstruktionsanweisung wieder korrekt herzustellen, weil eine etwaige Entschlüsselungssoftware den Sinn des Textes nicht erfassen kann und es gar nicht merken würde, wenn sie den richtigen Schlüssel gefunden hat.
Der Verlag oder der Online-Händler, der das Dokument verschlüsselt hat, besitzt die Rekonstruktionsanweisung und kann sie kontrolliert abgeben. Zusammen mit einem leistungsfähigen Micropayment-System kann das Publizieren von digitalisierten Dokumenten realisiert werden. Das System ermöglicht neben kompletten digitalisierten Büchern auch das Abrechnen einzelner Kapitel oder Seiten. Ebenso kann die zeitliche Nutzungsdauer beschränkt bzw. das Drucken erlaubt werden oder nicht. Dies funktioniert ähnlich der im vorangegangenen Kapitel beschriebenen "Benutzerrechte".
Das Inhaltsverzeichnis und beliebige andere Teile des Dokumentes sind kostenlos und unverschlüsselt zugänglich. Ansonsten wird beim Aufruf einer Seite oder eines Kapitels automatisch überprüft, ob ein Nutzungsrecht besteht. Bei Bedarf wird per Abrechnungsinterface die Zahlung vorgeschlagen. Hierbei werden Rabatte und auch unterschiedliche Dokumentversionen berücksichtigt, wenn beispielsweise ein Kapitel bezahlt ist, kann dessen Update zu günstigeren Konditionen angeboten werden.
Nach erfolgreicher Transaktion wird vom Server die Rekonstruktionsanweisung an den Kunden gesandt und der Text unverschlüsselt angezeigt. Die Dokumente können die üblichen Hypermedia-Eigenschaften besitzen, wie Hyperlinks usw.
DOI soll für digitale Dokumente ein Äquivalent zur ISBN bei gedruckten Büchern werden. Ausgangspunkt ist ein vom amerikanischen Verlegerverband (American Association of Publishers, AAP) entwickeltes Identifikationssystem für digitale Verlagserzeugnisse [Ehlers].
Ziel dieser Initiative ist es, eine geordnete Verwertung von Urheberrechten auch im Internet zu ermöglichen. Grundlage ist die DOI-Nummer, eine ähnlich der ISBN aufgebaute Zahlenkombination bestehend aus 3 Teilen.
Bisher ist lediglich die Identifikation und Registrierung geregelt, weniger die Bezahlung. Möchte man ein mittels DOI registriertes Dokument öffnen, werden die Benutzerrechte beim DOI-Server überprüft. Der DOI-Schlüssel öffnet nur dann die gewünschten Information, wenn der Registrant (Verlag, Information Provider, Copyright-Organisation) die Information auf seinem Server freigegeben hat. Es kann, analog zum User-Right-Tracking, nach Nutzung der Daten differenziert werden ob nur angezeigt, gedruckt oder auch kopiert werden darf.
Wechselt der Rechteinhaber eines Dokumentes, wird dies zentral bei der DOI-Agentur angezeigt, und diese verweist die Kunden dann an die neue Adresse. Auf diese Weise ist anhand des DOI der Rechteinhaber jedes DOI-registrierten Dokumentes über die Agentur zu ermitteln.
In Amerika wird dieses System bereits von namhaften Verlagen getestet, beispielsweise dem Springer-Verlag. Im internationalen Maßstab soll DOI unter dem Namen "International Standard Digital Identifier (ISDI)" realisiert werden und einen Standard für urheberrechtlich geschützte digitale Dokumente schaffen.
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