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6 Schlußbetrachtung und Ausblick

Eine bedeutende Frage wird in Zukunft sein, in welcher Weise und in welchem Umfang die dargestellten neuen Publikations- und Distributionsformen überhaupt von den Kunden angenommen werden und ob bei diesen Bedürfnisse nach den dargestellten Produkten bestehen, bzw. wie solcherlei Bedürfnisse geweckt werden können. Möglicherweise wird ein Großteil der dargebotenen Varianten von den Kunden gar nicht oder nur nach einer langen Gewöhnungsphase als nutzbringend angesehen und angenommen. Viele Publikationsformen werden sich jedoch als ungeeignet, an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt erweisen und wieder vom Markt verschwinden.

Doch ändert dies nichts an einer grundlegenden Tendenz: das Internet, Electronic Commerce und die im Zusammenhang damit entstehenden elektronischen Publikationsformen werden eine bedeutende, kulturprägende Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Das Leseverhalten wird sich wandeln, nicht binnen weniger Jahre, doch in langfristigem Maßstab.

Das gedruckte Buch hat bis heute eine zentrale kulturprägende Funktion behalten, und die durch die Technologie möglich gewordenen elektronischen Formen des Buches spielen bisher eine untergeordnete Rolle. Resultierend aus den dargestellten Entwicklungen bestehen, je nach Betrachtungsweise, Sorgen bzw. Hoffnungen, daß es im Zuge der Informationsgesellschaft diese Funktion teilweise verlieren könnte [Bertmed].

In Kapitel 3.5 wurde beispielsweise von Vorschlägen berichtet, gedruckte Bücher in der Schule durch elektronische Bücher zu ergänzen oder zu ersetzen [Lewis]. Durch den erheblichen Einfluß, den die Schulen schon frühzeitig auf das Leseverhalten der zukünftigen Kunden der Verlage ausüben, würde dies langfristig zu einer Änderung des Leseverhaltens in der Bevölkerung generell führen. Damit einher ginge ein Bedeutungsverlust des gedruckten Buches als kulturprägendes Element.

Die zukünftige Bedeutung der dargestellten Publikationsformen ist also nach wie vor nur vage abzuschätzen. In welcher Form sollen Verlage sich den verändernden Bedingungen stellen?

Die zentrale Bedeutung wird immer der "Content" haben. Das Wissen um den Wert des geistigen Gehalts, die Selektion und Distribution von Inhalten ist die Kernkompetenz der Verlage als Teil der sogenannten Content-Industrie. Durch welches Medium die Verbreitung dieses Wertes geschieht, ob gedruckt oder digital, im Buchladen um die Ecke gekauft oder im Internet bestellt bzw. gar durch dieses verschickt, ist erst der zweite Schritt.

Ausgehend von den Bedürfnissen der Kunden, sollten Verlage ihren Content in den verschiedenen Publikationsformen anbieten. Doch nur wo sich ein wirklicher funktionaler Vorteil für die Kunden ergeben kann, sollte dies auch beispielsweise mittels der Bücher in elektronischer Form erfolgen.

Die Nutzung von Electronic Commerce und des Internet sollte hingegen als Selbstverständlichkeit angesehen werden, denn diese sind, wie diese Diplomarbeit verdeutlichen sollte, als Basistechnologie in der Informationsgesellschaft von essentieller Bedeutung.

Perspektivisch kann, wie eine Studie der Europäischen Union darstellt, der Aufbau von Interessengemeinschaften (Communities) als Weiterentwicklung der "Leserbindung" sinnvoll sein: "Community-Kompetenz und Produktqualität müssen von den Verlegern als strategische Kernkompetenzen erkannt werden" [Info2000].

Durch Verlage gestützte Online-Communities können für deren Nutzer vertrauensvolle Informationsquellen darstellen. In einer Zukunft, in der immer mehr Informationen digital vorliegen werden, wird auch hier die Bedeutung des Verlages als Informationsmittler wachsen und nicht abnehmen.

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