Arbeit im Labor


Die Einrichtung

Platten und Planfilme entwickeln wir in einer flachen Fotoschale. Dazu müssen wir eine Dunkelkammer haben. Das hat den Vorteil, daß wir bei Dunkelkammerlicht hantieren und den Fortgang der Entwicklung beobachten können. Orthochromatisches (rotblindes) Material läßt sich bei rotem Licht verarbeiten. Panchromatisches Material verlangt schon ein äußerst dunkles Grünlicht (Dunkelkammerfilter). Es gibt aber Mittel, um solche Platten zu desensibilisieren, das heißt gegen helleres Licht unempfindlich zu machen. Rollfilme werden einfach in der lichtdichten Dose entwickelt. Den Entwicklunsfortgang können wir nicht beobachten, um so genauer halten wir uns dafür an die vorgeschriebenen Entwicklungszeiten und die Entwicklungstemperatur.

Bei Dosenentwicklung brauchen wir die Dunkelkammer nur zum Filmeinlegen. Das einlegen dauert bei guter Übung keine zwei Minuten und kann auch am Abend gemacht werden, wenn es sowiso dunkel ist. Der Entwickler und auch die anderen Flüssigkeiten können bei Licht eingegossen werden. Außer der Entwicklungsdose brauchen wir noch ein bis zwei Meßgläser mit cm-Einteilung, Flaschen, Trichter, eine Uhr, ein Fotothermometer und ein paar Holz- oder Kunststoffklammern.

Mit den Meßgläsern bemessen wir die Flüssigkeitsmengen beim ansetzen des Entwicklers. Am besten wir haben zwei: eines für 200 bis 250 cm und eines mit 110-cm-Skala.-In den Flaschen sollen die Lösungen (Entwickler, Fixierbad) aufbewahrt werden, 600-750 cm, je nach dem Fassungsvermögen unserer Entwicklungsdose. Entwicklerflasche: braun - Fixierflasche: hell. Das Fixierbad wird meist Literwise angesetzt. Es hält sich wesentlich länger als der sauerstoffentfintliche Entwickler und sollte stets reichlich vorhanden sein. Sämtliche Flaschen sollten gekennzeichnet sein.

Trichter sind für das Zurückgiesen der Flüssigkeiten dringend nötig, weil man sonst zu leicht die Flüssigkeiten verschütten kann. In 600 cm Entwicklerlösung wollen wir ja nach und nach mehrere Filme entwickeln, daher darf kein Tropfen unnütz verloren gehen.
Die Entwicklungstemperatur muß genauso peinlich eingehalten werden wie die Entwicklungszeit. Entwickeln wir nur etwas kälter als vorgeschrieben, so arbeitet der Entwickler sofort langsamer und hat auf das Negativ noch nicht genügend eingewirkt, wenn wir den Film nach abgelaufener Entwicklungszeit aus dem Entwickler nehmen (Folge:Unterentwicklung). Wärmerer Entwickler arbeitet dagegen wesentlich schneller und schießt in der gleichen Entwicklungszeit weit über das vorgeschriebene Ziel hinaus (Überentwicklung).
Die Spül- und Fixierlösungen müssen die gleiche Temperatur haben wie der Entwickler. Die Filmschichten vertragen während der Verarbeitung keine großen Temperatursprünge. Schon bei 10° Unterschied bekommen wir "Runzelkorn", bei höheren Temperaturen schmilzt die Schicht.


Einlegen des Negativs


Die Negative müssen staubfrei eingelegt werden. Jedes Stäubchen wird ja mit vergrößert. Das Negativ kann nur bei weißem Licht sauber eingelegt werden. Nun schalten wir das Weißlicht aus und machen das Filterlicht an.


Scharfeinstellen

Eine helle Vergrößerungsbirne erleichtert die Arbeit wesentlich. Können wir die Konturen des Bildes nicht genau erkennen, stellen wir das Gerät mit einem Probenegativ ein. Um die Scharfeinstellung kontrollieren zu können, projizieren wir das Bild auf die weiße Fläche des Vergrößerungsrahmens.


Auschnitt und Vergrößerunsmaßstab

Auch bei Ausschnittsvergrößerungen müssen wir uns an den perspektivisch richtigen Maßstab halten. Wir kommen für den üblichen Betrachtungsabstand notgedrungen wieder zu kleineren Bildformaten. Vergrößerungszahlen sind lineare Werte. Sie beziehen sich also auf die jeweilige Länge des Bildrandes. Eine zweifache lineare Vergrößerung bedeutet, daß eine Negativseitenlänge von 6 cm auf 12 cm ansteigt. Bei zweifacher linearer Vergrößerung wird die Fläche viermal so groß.


Belichtungszeit

Vergrößerungspapiere sind viel empfindlicher als Kontaktpapiere. Wir finden die richtige Belichtungszeit nur mit dem Probestreifen-nie auf Anhieb. Wir sollten nie länger als eine Minute belichten, weil sonst die Güte des Bildes unter Streulicht leidet.


Der Entwicklungsvorgang


Erst gießen wir den Entwickler durch die Eingußöffnung in die mit dem Film bereits beschickte Dose ein. Wir halten die Dose ein wenig schief, damit die entweichende Luft am Lochrand Platz findet und keine Blasen schlägt. Wir dürfen nun den Film, obwohl er "entwickelt" ist, noch nicht dem Licht aussetzen. Das unbelichtete Bromsilber ist ja noch immer in der Schicht vorhanden, es würde auch jetzt noch Licht aufnehmen und den ganzen Film verderben. Gefestigt wird das Bild erst im Fixierbad, wo auch das unbelichtete Bromsilber herausgelöst und fortgespült wird. In diesem Zustand können wir den Film erstmals bei Licht betrachten. Eine oder eine halbe Minute vor Ablauf der Entwicklungszeit gießen wir den Entwickler ebenso rasch wieder durch das Abflußloch in die Flasche zurück. Der in der Filmschicht sitzende Rest arbeitet weiter und muß herausgespült werden. Das geschieht duch ein Spül-oder Unterbrechungsbad (Essigsäure, 1Liter Wasser), das wir nun in die Dose füllen und nach ca. 1Min. ausgießen. Der Film wird gleichzeitig geklärt, das heißt von Kalkrückständen befreit, die im Leitungswasser sein können.
Bei der anschließenden Wässerung werden alle - die Haltbarkeit des Negativs gefährdenden - chemischen Substanzen aus der Schicht herausgeschwemmt. Zum Trocknen hängen wir den Film auf. Wir klemmen ihn mit einer Klammer an einer Leine fest. Man sollte darauf achten das man die Leine in keinem Staubaufwirbeldem Luftzug aufhängt, da jedes Staubteilchen, das in der weichen Gelatine festklebt, später nicht mehr entfernt werden kann. Anschließend stoßen wir sie ein paarmal mit dem Boden hart auf, damit sich eventuell auf der Filmschicht befindliche Luftblasen lösen und im Entwickler nach oben steigen. Wir schütteln die Dose noch eine Zeitlang und stellen sie erst dann hin. Nun muß der Film in möglichst gleichmäßigen Zeitabschnitten bewegt werden. Schlagartig drehen wir bei Drehstoppen (Drehentwicklung) einmal nach links, einmal nach rechts, schütteln die Füssigkeit kurz auf und nieder. Vergessen wir wir das Bewegen ganz, so bleibt verbrauchter Entwickler in der Filmschicht und läßt den unverbrauchten Entwickler nicht an die Schicht heran.




Aufbewarung der Negative

Die getrockneten Filme werden in gleichmäßig lange Streifen geschnitten und in Pergamintaschen gesteckt. Man kann sich daran gewöhnen, Negative stets nur am Rand anzufassen. Der Handschweiß ist schlecht für die Negative. Griffspuren auf der Schicht werden erst nach Monaten oder Jahren schichtbar, wenn die Säure bereits ihr Zerstörungswerk beendet hat.


Vergrößern

Vergrößern ist ein Kopieren auf Entfernung. Der Vorgang des Vergrößerns und Kopierens ist also derselbe, nur daß wir mit Hilfe einer Linse die verkleinernde Wirkung des Aufnahmeobjektivs wieder zum Teil rückgängig machen. Jetzt finden wir, das uns ein kleines Bild nicht befriedigt, und möchten es daher wieder größer haben. Schlagartig ist auch die bessere Wirkung da.

Das Geheimnis der guten Vergrößerung liegt in der richtigen Perspektive, dem plastischen Effekt, der sich aus optischen Gründen erst beim maßstäblichen richtigen Vergrößern einstellt. Wir finden ihn nicht mit x-beliebigem Größermachen des Bildes, sondern mit Hilfe eines genauen Vergrößerungsfaktors. Diesen Faktor erhalten wir, wenn wir unseren Betrachtungsabstand durch die Kamerabrennweite teilen.

Auch die Kamera hat ja die Wirklichkeit aus einem bestimmten Betrachtungsabstand aufgenommen. Die vom Motiv ausgehenden Lichtstrahlen kamen alle in ganz bestimmten Winkeln auf sie zu. Wären wir mit ihr dichter an das Motiv herangegangen, wären diese Winkel stumpfer geworden. Wären wir weiter abgerückt, hätten sie sich zugespitzt.

Betrachten wir nun das fertige Foto, so fallen von dessen Punkten wieder strahlen in unser Auge. Wieder werden ihre Winkel um so stumpfer, je dichter wir an das Bild herangehen, und um so spitzer, je weiter wir von ihm abrücken. Es kommt also darauf an, daß wir sie mit genau dem gleichen Sehwinkel in unser Auge fallen lassen, mit dem sie bei der Aufnahme in das Objektiv fielen. Dann sehen wir das Bild perspektivisch richtig, schlagartig wird es plastisch und lebendig, wir haben von ihm einen Eindruck "wie in der Wirklichkeit".


Vergrößerungsgeräte


Es gibt drei Bauweisen:

1. Geräte, die wir mit der Hand scharf einstellen müssen. Das ist nicht schwer, kostet aber etwas Zeit und Mühe. Eine Lupe und ein Testnegativ sind unsere Hilfsmittel.

2. Geräte, die halbautomatisch funktionieren und die Verarbeitung verschiedener Negativformate zulassen.. Erst wird der richtige Bildausschnitt gefunden- und dann die höchste Bildschärfe eingestellt.

3. Geräte, mit vollautomatischer Scharfeinstellung machen alles in einem Arbeitsgang. Wir verschieben den Gehäuseteil nach oben oder unten, Format und Schärfe regulieren sich von selbst.

Die halb und vollautomatischen Geräte sind Präzisionskonstruktionen und daher nicht billig.
Ein zweiter Unterschied steckt in den Beleuchtungsarten:
Es gibt Geräte mit indirekter, weicher Beleuchtung und Geräte mit direkter, harter Beleuchtung.
In der Praxis braucht man aber meist ein Vergrößerungsgerät, das indirekte weiche und direkte harte Beleuchtung in sich vereint. Es ist mit einer streuenden Opalglaslampe ausgerüstet und mit einem Doppel-oder einfachen Kondensor versehen. Das Licht ist halb gerichtet und halb diffus. Normale Negative können wir damit vorzüglich auf normalen Papier, harte und weiche auf ausgleichender Papiergradationen vergrößern. Das Korn wird in diesem Fall erträglich stark wiedergegeben.
Das Objektiv des Vergrößerers muß so gut sein, daß wir es ohne weiteres auch in eine Aufnahmekamera einbauen könnten. Einfachere Objektive sind meist mit einer Schieblochblende ausgerüstet. Besser sind die einrastenden Irisblenden, die wir auch im Dunkeln bedienen können.