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(Gruppe für eine Schweiz ohne Armee )

Der folgende Brief an meinen Major wurde auch im Walliser Booten veröffentlicht:
Gründe, weshalb ich nicht weitermachen kann...
Da ich in dem Gespräch mit Ihnen sowieso nicht all meine Argumente darlegen kann, hat die folgende Erklärung das Ziel Ihnen klar zu machen, dass ich auf gar keinen Fall der richtige Rekrut bin um weiterzumachen.
Als überzeugter Ovo-Lacto-Vegetarier sehe ich das Militär als mit Abstand den schlechtesten Weg um Kriege zu verhindern. Kriege entstehen durch Angst um den Verlust der zur Deckung der Grundbedürfnisse nötigen Ressourcen. Bei den meisten Kriegen vergangener Zeiten ging es um Anbauflächen und imperialistisches Machtstreben. Die Ursache für jede Art von Krieg ist also die Angst und somit ist das Militär nur ein Mittel zur Symptombekämpfung!
Und so nebenbei ist die Schweiz in einem Kriegsfall überhaupt nicht autark, wie es die beiden Weltkriege gezeigt haben! Nicht der Schweizer Armee sondern der Schweizer Nationalbank und den Industriellen, die in diesen Kriegen auf Hochtouren für Deutschland produziert haben, sei Dank, dass wir von den Greueln dieser Kriege verschont geblieben sind!
Ich habe es sogar in Betracht gezogen Zivildienst zu leisten. Dann bin ich doch eingerückt, da ich dachte, dass man als Spitalsoldat noch etwas nützliches lernen könnte. Leider bin ich etwas enttäuscht. Ich bin gegen jede Art von Gewalt! Sei es nun physische oder psychische. Die Gewalt mit Schusswaffen gehört zu den feigesten, die es überhaupt gibt! Ich habe jedoch keine Skrupel damit auf leblose Dinge zu schiessen. Mir missfällt aber die Art und Weise, mit der in der Armee Gewalt glorifiziert wird!
Auch mein Körper signalisiert mir, dass das Militär überhaupt nicht zu mir passt. Mein Körper sträubt sich mit jeder einzelnen Zelle dagegen: Seitdem ich eingerückt bin spielt mein Magen total verrückt, ich habe des öfteren Nasenbluten, was ich sonst eher selten habe, und ich fühle mich total schlapp. Zudem bin ich noch von einer Erkältung geplagt, da hier wirklich jeder jeden ansteckt. Hinzu kommen noch diese plötzlich auftretenden depressionsähnlichen Zustände hervorgerufen durch den gefängnismässigen Tagesablauf.
Ich wage es an dieser Stelle sogar ein sehr heikles Thema anzuschneiden:
Drogen!
Obwohl strikte verboten, werden sie doch in regen Mengen konsumiert! Und ich meine damit nicht nur Alkohol und Nikotin!!! In der RS besteht durch die zahlreichen unproduktiven und langweiligen Wartezeiten ein erhebliches Gefahrenpotential vom blossen Passivraucher zum Aktivraucher zu werden! Oder sogar schlimmeres!!!
Kurz gesagt ist mir das Militär zu trocken, zu stur und zu hierarchisch. In seiner Funktionsweise hat es sogar gewisse Ähnlichkeiten mit dem Nationalsozialismus!
"Wenn Du es so machst, wie Sie es wollen, hast Du weniger Probleme..."
...sprach kürzlich ein Rekrut mit voller Überzeugung! Mit anderen Worten: Der perfekte Soldat gehorcht bedingungslos ohne zu hinterfragen! Eine hirnlose Kampfmaschine! Man sollte nicht versuchen solche Ideologien mit sadistischen Kollektivdisziplinierungsmassnahmen zu fördern!!!
Die militärische Erziehung ist nicht das, was man pädagogisch wertvoll nennen würde. Es gib da zum Beispiel Materialkontrollen und ähnliche Spielchen, die lediglich als Beschäftigungstherapie dienen, obwohl man diese Zeit bei weitem sinnvoller nützen könnte!
Natürlich sind auch die Zeiten vorbei, in denen man durch eine militärische Laufbahn irgendwelche Vorteile für die berufliche Kariere hatte. Im Gegenteil: Heutzutage sollte man zu jeder Zeit für seine Firma da sein. Ein gezwungenes Weitermachen hat also für jeden eine immense karieremässige Marktwertsenkung zur Folge! Meiner Meinung nach sollte man diese Riesensummen, welche das Militär Jährlich verschlingt für etwas nützlicheres einsetzten! Während dem hier in der Schweiz eine Infrastruktur besteht, mit der man Tausende von Leben retten könnte, gibt es in den meisten 3.Welt Ländern nicht einmal eine genügende medizinische Versorgung!
Anstatt zu helfen werden hier sinnlose Trockenübungen exerziert! Einer der wichtigsten Gründe, weshalb sie mich nicht zum Weitermachen zwingen sollten, ist die Motivation, die bei mir praktisch gänzlich fehlt. Mit grösster Mühe versuche ich in den Theoriestunden über diesen militärischen Schwachsinn wach zu bleiben. Es kam auch schon vor, dass ich aus Interessemangel einfach eingeschlafen bin!
Nach DR 79.3 dürfen Sie mir ja auch gar nicht den Befehl zum Weitermachen erteilen, da Sie damit eindeutig meine Menschenwürde verletzen würden. Mit 15 Wochen RS und den insgesamt 300 Diensttagen habe ich meiner Meinung nach meine Pflichten als Schweizer Bürger mehr als erfüllt und Sie haben mir genug Zeit meines Lebens für etwas Unsinniges gestohlen!
Mehr wäre zuviel!
Danke für die Zeit, die Sie sich nahmen um das durchzulesen.
M.Stefan
PS: FTA